Schwangerschaftsberatung

 

Allgemeine Schwangerschaftsberatung

Eine Schwangerschaft und die Geburt eines Kindes verändern das Leben der Eltern tiefgreifend.
Neben Gefühlen wie Glück und Freude treten bei fast allen werdenden Eltern schon zu Beginn der Schwangerschaft auch Fragen und Unsicherheiten auf.
Vor allem wenn eine Schwangerschaft ungeplant eintritt, können Zweifel, Sorgen und Konflikte in den Vordergrund rücken:

  • Sehen wir / sehe ich mich in der Lage, jetzt die Verantwortung für ein (weiteres) Kind zu übernehmen?
  • Wie wird sich unser / mein Leben durch ein Kind verändern?
  • Wird sich die Beziehung zu meinem Partner verändern?
  • Wie bewertet mein Partner die Situation? Wie geht es ihr / ihm mit der Schwangerschaft?
  • Wie stellt sich unsere / meine finanzielle Situation nach der Geburt des Kindes dar?

 

Die Beratungsstellen für Schwangerschaftsfragen stehen allen (werdenden) Müttern und Vätern offen, die eine kompetente Beratung von erfahrenen Fachkräften rund um das Thema Schwangerschaft, Geburt und Familie in Anspruch nehmen wollen.
Sie leisten Beratung, Hilfestellung bei Antragstellungen und Unterstützung auch nach der Geburt eines Kindes bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres

  •  bei Fragen zur Sexualität, Verhütung und Familienplanung (unabhängig von einer Schwangerschaft),
  • bei psychosozialen Konflikten, die durch die Schwangerschaft entstehen, etwa mit dem Partner, den eigenen Eltern oder dem Arbeitgeber,
  • bei Fragen zu Vorsorgeuntersuchungen, zum Schwangerschaftsverlauf und zur Entbindung,
  • bei Fragen zu Leistungen und Hilfen für Kinder und Familien,
  • bei Fragen zu besonderen Rechten im Berufsleben für Schwangere, Stillende oder Eltern,
  • bei Fragen zu Ansprüchen und Möglichkeiten von Alleinerziehenden
  • bei einer vermuteten Behinderung des Kindes und zu Hilfsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung und ihren Familien,
  • bei Fragen zu rechtlichen und psychosozialen Gesichtspunkten in Zusammenhang mit einer Adoption,
  • bei Fragen zu Methoden und Durchführung eines Schwangerschaftsabbruchs sowie den damit verbundenen psychischen wie physischen Risiken und Folgen,
  • Nachbetreuung auch nach einem Schwangerschaftsabbruch und
  • bei der Vermittlung und Ausreichung von Leistungen der "Landesstiftung Hilfe für Mutter und Kind".


Die 127 vom Freistaat Bayern geförderten staatlich anerkannten Beratungsstellen für Schwangerschaftsfragen bieten ein flächendeckendes Beratungsangebot mit unterschiedlicher weltanschaulicher Ausrichtung.

Staatlich anerkannte Beratungsstellen für Schwangerschaftsfragen

Die staatlich anerkannten Beratungsstellen der Landratsämter / Gesundheitsverwaltungen bzw der städtischen Gesundheitsämter und die staatlich anerkannten Beratungsstellen freier Träger, z.B. Donum Vitae in Bayern e.V., pro familia, Frauen beraten e.V., Diakonisches Werk Bayern e.V., bieten allgemeine Schwangerschaftsberatung sowie Schwangerschaftskonfliktberatung im Verbund an und stellen Beratungsbescheinigungen aus. Diese werden für einen straffreien Schwangerschaftsabbruch gemäß § 218 a Abs. 1 Strafgesetzbuch benötigt.

Über das Beratungsangebot der staatlich anerkannten Beratungsstellen für Schwangerschaftsfragen informiert am Beispiel der Beratungsstellen an den Landratsämtern / Gesundheitsverwaltungen ein kurzer Film.

Neben den staatlich anerkannten Beratungsstellen stehen den Ratsuchenden auch 24 katholische Beratungsstellen des Caritasverbands e. V. und des Sozialdienstes katholischer Frauen e. V. für eine allgemeine Beratung und eine Beratung in Konfliktsituationen zur Verfügung. Diese stellen aber keine Beratungsbescheinigungen aus.

Zu den Schwangerschafts- und Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen in Ihrer Region gelangen sie hier

Allgemeines zur Beratung

  • Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Beratungsstellen unterliegen der Schweigepflicht, insbesondere über die Inhalte der Beratungsgespräche.
  • Die Beratung kann auf Wunsch anonym erfolgen. Lediglich zur Ausstellung einer Beratungsbescheinigung (notwendig für einen straffreien Schwangerschaftsabbruch nach der Beratungsregelung) werden Ihre Personalien benötigt. Diese können aber auf Wunsch auch von einer zweiten Beraterin / einem zweiten Berater vertraulich aufgenommen werden.
  • Die Beratung erfolgt ergebnisoffen und unvoreingenommen, sie ist kostenlos und unverbindlich. Bei Bedarf kann zusätzlich eine Psychologin / ein Psychologe, eine Ärztin / ein Arzt oder ein e Juristin / ein Jurist hinzugezogen werden.
  • Es werden auch kurzfristig Termine vergeben, bei Bedarf werden Hausbesuche angeboten. Eine telefonische Voranmeldung ist sinnvoll. Für berufstätige Schwangere ist eine Beratung auch außerhalb der üblichen Arbeitszeiten vorgesehen.
  • Sie können sich alleine beraten lassen, Ihren Partner oder eine andere Person Ihres Vertrauens mitbringen.

Schwangerschaftskonfliktberatung

Beratungsregelung: Schwangerschaftsberatung in einer Not- und Konfliktlage

Wenn Sie sich als Schwangere in einer Notlage befinden, in der Sie keinen anderen Ausweg sehen als den Abbruch der Schwangerschaft, spricht man von einem Schwangerschaftskonflikt.
Nur Sie als schwangere Frau können über das Austragen oder den Abbruch der Schwangerschaft entscheiden. Gegen Ihren Willen darf kein Schwangerschaftsabbruch vorgenommen werden.

Die Schwangerschaftskonfliktberatung soll Ihnen ermöglichen, die für Sie und Ihr ungeborenes Kind fundamentale Entscheidung für oder gegen einen Schwangerschaftsabbruch so zu treffen, dass Sie mit dieser Entscheidung in Zukunft leben können.

Wenn Sie sich für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden, müssen Sie dieses schwerwiegende Ereignis verarbeiten. Vielleicht schämen Sie sich, fühlen sich schuldig oder bereuen den Abbruch im Nachhinein. Manche Frauen können nur schwer oder gar nicht über den Abbruch sprechen und versuchen, ihn schnellstmöglich zu vergessen.


Wenn Sie den Schwangerschaftsabbruch nicht bewältigen oder verarbeiten können bzw. Begleitung und Unterstützung brauchen, haben Sie jederzeit die Möglichkeit, sich an die Beratungsstellen wenden.

 

§219 StGB Beratung der Schwangeren in einer Not- und Konfliktlage

 

§ 219 StGB Beratung der Schwangeren in einer Not- und Konfliktlage

(1) Die Beratung dient dem Schutz des ungeborenen Lebens. Sie hat sich von dem Bemühen leiten zu lassen, die Frau zur Fortsetzung der Schwangerschaft zu ermutigen und ihr Perspektiven für ein Leben mit dem Kind zu eröffnen; sie soll ihr helfen, eine verantwortliche und gewissenhafte Entscheidung zu treffen. Dabei muss der Frau bewusst sein, dass das Ungeborene in jedem Stadium der Schwangerschaft auch ihr gegenüber ein eigenes Recht auf Leben hat und dass deshalb nach der Rechtsordnung ein Schwangerschaftsabbruch nur in Ausnahmesituationen in Betracht kommen kann, wenn der Frau durch das Austragen des Kindes eine Belastung erwächst, die so schwer und außergewöhnlich ist, dass sie die zumutbare Opfergrenze übersteigt. Die Beratung soll durch Rat und Hilfe dazu beitragen, die in Zusammenhang mit der Schwangerschaft bestehende Konfliktlage zu bewältigen und einer Notlage abzuhelfen. Das Nähere regelt das Schwangerschaftskonfliktgesetz.
(2) Die Beratung hat nach dem Schwangerschaftskonfliktgesetz durch eine anerkannte Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle zu erfolgen. Die Beratungsstelle hat der Schwangeren nach Abschluss der Beratung hierüber eine mit dem Datum des letzten Beratungsgesprächs und dem Namen der Schwangeren versehene Bescheinigung nach Maßgabe des Schwangerschaftskonfliktgesetzes auszustellen. Der Arzt, der den Abbruch der Schwangerschaft vornimmt, ist als Berater ausgeschlossen.

Eine Konfliktberatung ist ergebnisoffen und unvoreingenommen zu führen, sie ist kostenlos und unverbindlich. Die Verantwortung und Selbsteinschätzung der Schwangeren sowie ihre persönliche Lebenssituation stehen im Vordergrund.
Die Beratung soll ermutigen und Verständnis wecken, nicht aber belehren oder bevormunden.