Sicherer Babyschlaf und plötzlicher Kindstod

 

Plötzlicher Kindstod / Säuglingstod (SIDS)

Der plötzliche Kindstod, auch Säuglingstod, Krippentod oder Sudden Infant Death Syndrome (SIDS) genannt, bezeichnet den plötzlichen Tod eines zuvor völlig gesunden Säuglings ohne erkennbare Ursachen. Der Tod des Säuglings durch Atem- oder Herzstillstand tritt meist nachts oder in den frühen Morgenstunden ein.

Häufigkeit / Wahrscheinlichkeit des SIDS

Bei Säuglingen unter einem Jahr ist die Wahrscheinlichkeit des SIDS am höchsten - speziell zwischen dem zweiten und vierten Lebensmonat. Bei Babys über einem Jahr tritt er nur selten ein. Auch wenn der plötzliche Kindstod die häufigste Todesursache bei Kindern im ersten Lebensjahr ist, tritt er insgesamt nur sehr selten auf: Im Jahr 2011 verstarben 0,02 % der Säuglinge unter einem Jahr am plötzlichen Kindstod. (147 von 662 685 Säuglingen)

Risikofaktoren

Der plötzliche Kindstod kann leider nicht mit letzter Sicherheit verhindert werden. Jedoch belegt eine langjährige Studie aus den USA, dass bei 99% der SIDS Fälle mindestens ein Risikofaktor vorlag.
Zu den wissenschaftlich belegten Risikofaktoren zählen:

  • Schlafposition des Säuglings in Bauchlage
  • Passivrauchen des Säuglings (auch Rauchen während der Schwangerschaft)
  • Überwärmung des Säuglings
  • Überdecken mit Decken, Kissen, Kuscheltieren etc.

Die Hälfte aller SIDS-Fälle werden dem Passivrauchen des Säuglings, also dem Einatmen von rauchgetränkter Luft, zugeschrieben. Sowohl das Rauchen während der Schwangerschaft als auch nach der Entbindung erhöht das Risiko für den plötzlichen Kindstod deutlich. Bei Kindern von Müttern, die während der Schwangerschaft geraucht haben, ist das Risiko 8-16 mal höher als bei den Kindern von nicht rauchenden Müttern.

Sicherer Babyschlaf - Präventionsempfehlungen

Aus den oben genannten Risikofaktoren ergeben sich Empfehlungen, wie das SIDS-Risiko gesenkt werden kann.

So sollten Sie Ihr Baby

  • zum Schlafen immer auf den Rücken legen*
  • nur in einer rauchfreien Umgebung schlafen lassen
  • nie in überheizten Räumen schlafen lassen ( die Raumtemperatur sollte 18°C nicht überschreiten)
  • nicht mit Kissen, Decken oder Kuscheltieren ins Bett legen (Gefahr der Überdeckung des Gesichts und Erstickungsgefahr)
  • in einem Babyschlafsack schlafen lassen. Dieser hält warm, überdeckt das Baby aber nicht.
  • in sein eigenes Bett legen, das Kinderbett sollte im Elternschlafzimmer stehen**

*Wenn das Baby wach ist, sollte die Bauchlage aktiv gefördert werden, damit sich keine Fehlbildungen der Schädelform (Flachschädel) entwickeln.Zudem kann das Baby seine Muskulatur stärken und versuchen, den Kopf selbst zu heben bzw. zu halten, wenn dies seine körperlichen Fähigkeiten zulassen.

** Auch Beistellbetten eignen sich hier sehr gut. Diese können direkt am Elternbett angebracht werden. Dies fördert die Nähe zwischen Eltern und Kind und ist zudem praktisch, wenn das Baby nachts aufwacht und gestillt wird oder das Fläschchen bekommt.

Darüber hinaus wird aus mehreren Gründen empfohlen, den Säugling zu stillen. Stillen ist die gesündeste Nahrung für Babys in den ersten Lebensmonaten und gestillte Babys haben ein gestärktes Immunsystem.

Der Flyer „Wichtige Tipps zum sicheren und gesunden Babyschlaf“ des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit zeigt sehr übersichtlich, was Sie für einen sicheren Schlaf Ihres Babys tun können.
Der Flyer ist auch in griechischer, italienischer, russischer, serbokroatischer, spanisch, türkischer, französischer und albanischer Sprache erhältlich.

Psychosoziale Folgen des SIDS

Eltern und Familien, die ein Kind durch den plötzlichen Säuglingstod verloren haben, sind in mehrfacher Hinsicht belastet.
Den plötzlichen Tod des geliebten Babys zu verarbeiten ist unvorstellbar schwer. Aufgrund der fehlenden erkennbaren Todesursache kommen Selbstzweifel und Schuldgefühle hinzu.
Dadurch, dass die Todesursache nicht bekannt ist, muss sie von der Polizei ermittelt werden. Dies ist eine zusätzliche seelische Belastung für die Eltern und Geschwister.

Nicht zuletzt kämpfen die Eltern im Falle einer späteren erneuten Schwangerschaft oder einem später geborenen Kind mit erheblichen Ängsten vor einem erneuten Auftreten des SIDS.

Solch schwere Zeiten können Familien oftmals nicht alleine bewältigen. Um den schrecklichen Verlust verarbeiten zu können und um nicht als Familie daran zu zerbrechen, können betroffene Familien Hilfe und Unterstützung durch spezielle Beratungsangebote finden:

Die Gemeinsame Elterninitiative Plötzlicher Säuglingstod (GEPS) Deutschland e.V.

Der Verein bietet Betroffenen eine Begleitung an. Die Selbsthilfeorganisation wird unterstützt von einem Experten-Beirat aus den Bereichen Pädiatrie, Pathologie, Rechtsmedizin, Sozialwissenschaft und Epidemiologie.
Darüber hinaus bietet die GEPS viele Broschüren, Flyer und Videos, teilweise auch mehrsprachig, zum Thema SIDS an.

Bundesverband verwaiste Eltern und trauernde Geschwister in Deutschland e.V.

Die Internetseite des Bundesverbands verwaiste Eltern und trauernde Geschwister in Deutschland e.V. bietet eine Übersicht regionaler Selbsthilfegruppen, Infos zum Thema Umgang mit der Trauer und Gedenkseiten für Verstorbene, auch ältere Kinder.

Verwaiste Eltern München e.V.

Der Selbsthilfeverein „Verwaiste Eltern München e.V.“ bietet neben Informationen und Kontaktmöglichkeiten auch Beratungen für Betroffene an. Eine Übersicht über die verschiedenen mehrsprachigen Informationsmaterialien der GEPS Deutschland e.V. finden Sie hier.

Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit bietet nützliche und anschauliche Informationen zum sicheren Baybschlaf: lgl.bayern.de
Hier gibt es den Flyer (mehrsprachig) „Wichtige Tipps zum sicheren und gesunden Babyschlaf“ des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit: