Pränatale Diagnostik

 

Pränatale Diagnostik (PND)

Eine ausreichende medizinische Überwachung Ihrer Schwangerschaft wird grundsätzlich durch die von den Mutterschaftsrichtlinien festgelegten regulären Vorsorgeuntersuchungen und die im Bedarfsfall zusätzlich vorgenommenen Untersuchungen gewährleistet.

Alle regulären Untersuchungen im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge werden von der gesetzlichen Krankenversicherung bezahlt. Ergeben sich aus den Untersuchungen Anhaltspunkte für eine Risikoschwangerschaft, werden auch alle weiteren notwendigen Untersuchungen von der Krankenkasse getragen.

Im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen bietet Ihnen Ihre Frauenärztin oder Ihr Frauenarzt häufig auch zusätzliche Untersuchungen an, mittels derer eventuell Hinweise auf mögliche Behinderungen oder Erkrankungen festgestellt werden sollen. Diese zählen nicht zur regulären Schwangerschaftsvorsorge sondern zu den Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL-Leistungen), also den Leistungen, die von Ihnen selbst bezahlt werden müssen.

Zu den pränataldiagnostischen Maßnahmen zählen beispielsweise bestimmte Ultraschall-Untersuchungen, Bluttests sowie Fruchtwasser-Untersuchungen oder Untersuchungen des Mutterkuchengewebes.

Weitere Informationen zur Pränatalen Diagnostik gibt es auf Familienplanung.de.

Aussagekraft pränataldiagnostischer Ergebnisse

Jede Mutter wünscht sich für Ihr Kind vor allem eines: dass es gesund zur Welt kommt. Und das ist bei der größten Anzahl der Kinder auch der Fall.

Die meisten Eltern vertrauen auf die natürlichen Vorgänge einer Schwangerschaft.
Manche werdenden Eltern möchten die Schwangerschaft sehr genau überwachen und versprechen sich von pränataldiagnostischen Maßnahmen die Möglichkeit, das Vorliegen von Behinderungen oder Fehlbildungen des Kindes sicher ausschließen oder gegebenenfalls behandeln zu können.
Die Aussagefähigkeit der Pränataldiagnostik  ist jedoch begrenzt. Sie errechnen oftmals lediglich Wahrscheinlichkeiten und sagen über das einzelne ungeborene Kind oder den Schweregrad der Behinderung gar nichts aus.

Die BZgA stellt Informationsmaterialien über die Möglichkeiten und Grenzen der pränataldiagnostischen Untersuchungen zur Verfügung. 

Gut zu wissen

  • Fast alle Kinder kommen gesund zur Welt.
  • Die meisten Behinderungen entstehen erst im Laufe des Lebens.
  • Nur ein sehr kleiner Teil der Behinderungen ist schon vor der Geburt diagnostizierbar.
  • Werden Behinderungen oder Erkrankungen festgestellt, können sie meist nicht im Mutterleib behandelt werden.

Was kann ich durch die pränatale Diagnostik erreichen?

Auch bei unauffälligem Schwangerschaftsverlauf  werden Ihnen pränatale Untersuchungen, zumeist die Ultraschalluntersuchungen im 1., 2. und 3. Schwangerschaftsdrittel, angeboten.
Sie sollten sich auf jeden Fall vorher informieren, welche Untersuchungen es gibt, was genau diese Untersuchungen feststellen sollen und wie aussagekräftig die jeweiligen Untersuchungen sind.
Ausführliche Informationen hierzu finden Sie auf den Seiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung BZgA/Familienplanung.

Grundsätzlich sollten Sie vorab überlegen, in welchem Umfang Sie die medizinische Betreuung und Überwachung für sich in Anspruch nehmen wollen, ob die pränatalen Befunde Ihnen tatsächlich weiterhelfen bzw. wie Sie mit einem auffälligen Befund umgehen können. Stellt sich für Sie die Frage, ob Sie die Schwangerschaft fortsetzen?

Hierzu bieten die Beratungsstellen für Schwangerschaftsfragen psychosoziale Beratung vor, während und nach pränataldiagnostischen Maßnahmen.

Auffälliger pränataler Befund

Medizinisch auffällig ist ein Befund bereits dann, wenn er von einer festgelegten Norm abweicht. Und ein auffälliger Befund ist nicht gleich eine Krankheit oder eine Diagnose. Oft werden von der Norm abweichende Werte festgestellt, das Kind kommt aber trotzdem völlig gesund auf die Welt.
Nicht alle medizinischen Befunde sind eindeutig, deshalb können sie weitere Untersuchungen nach sich ziehen.
Sie haben das Recht, sich vor jeder möglichen weiteren Untersuchung eingehend über Sinn, Zweck und auch Risiken der Untersuchung informieren zu lassen. Zudem entscheiden ausschließlich Sie selbst, ob Sie weitere Untersuchungen in Anspruch nehmen wollen. Sie können jederzeit weitere Untersuchungen ohne Angabe von Gründen ablehnen.

Psychosoziale Beratung kann bei der Entscheidungsfindung hilfreich und entlastend sein.

Wie geht es weiter?

Wenn ein auffälliger Befund besteht, stehen Sie selber möglicherweise vor einem Konflikt. Weitere Untersuchungen aber bergen auch weitere gesundheitliche Risiken und stellen für Sie evtl. auch eine psychische Belastung dar.
Sprechen Sie die Frauenärztin oder den Frauenarzt auf Ihre Situation an und bitten Sie darum, ausführlich und umfassend beraten zu werden.
Fragen Sie nach, wenn Ihnen etwas nicht klar ist oder Sie Bedenken oder Zweifel haben – das ist in solch einer Situation völlig normal.
Ohne Ihre schriftliche Einwilligung darf die Frauenärztin oder der Frauenarzt keine zusätzlichen pränataldiagnostischen Maßnahmen durchführen.

Im Bedarfsfall erhalten Sie Rat und Unterstützung bei den Beratungsstellen für Schwangerschaftsfragen.

Anspruch auf Beratung

Wenn Sie pränataldiagnostische Maßnahmen in Anspruch nehmen, muss Sie die Frauenärztin oder der Frauenarzt umfassend über den Nutzen und die Risiken aufklären. Zusätzlich zu den ärztlichen Informationen erhalten Sie vor, während und nach pränataldiagnostischen Maßnahmen auch Unterstützung durch das psychosoziale Beratungsangebot der Beratungsstellen für Schwangerschaftsfragen.
Sprechen nach den Ergebnissen der pränataldiagnostischen Maßnahmen dringende Gründe für die Annahme, dass die Gesundheit des Kindes geschädigt sein könnte, hat die Frauenärztin oder der Frauenarzt über die medizinischen und psychosozialen Aspekte des Befundes unter Hinzuziehung von Experten, die mit dieser Gesundheitsschädigung bei geborenen Kindern Erfahrung haben, zu beraten. Die Frauenärztin oder der Frauenarzt hat auch über weitere und vertiefende psychosoziale Beratung zu informieren. Sofern Sie wünschen, muss die Frauenärztin oder der Frauenarzt Kontakte zu Beratungsstellen und zu Selbsthilfegruppen oder Behindertenverbänden vermitteln.

§ 2a Schwangerschaftskonfliktgesetz (SchKG): Aufklärung und Beratung in besonderen Fällen

Beratungsstellen für Schwangerschaftsfragen

In der psychosozialen Beratung der Schwangerschaftsberatungsstellen können Sie offen über Ihre Gefühle, Ängste, Sorgen und Befürchtungen sprechen. Sie bestimmen selbst, welche Themen Sie ansprechen möchten und in welchem Umfang Sie beraten werden möchten. Selbstverständlich können Sie die Beratung zusammen mit dem Vater des Kindes oder anderen Ihnen nahestehenden Personen in Anspruch nehmen.

Sollte aus den pränatalen Untersuchungen hervorgehen, dass die Gesundheit Ihres ungeborenen Kindes ernsthaft geschädigt ist, tauchen viele Fragen auf:

  • Kann ich mir das Leben mit einem behinderten Kind vorstellen?
  • Stellt sich die Frage nach einem Schwangerschaftsabbruch?
  • Wer kann uns unterstützen?

Auch hierüber können Sie mit den Beraterinnen oder Beratern der Schwangerschaftsberatungsstellen sprechen. Sie erhalten z.B. Informationen über

  • das Leben mit einem Kind mit Behinderung oder (chronisch) kranken Kind
  • Unterstützungsangebote für Menschen mit Behinderungen und deren Familien
  • Fördermöglichkeiten für Kinder mit Behinderung oder (chronisch) kranke Kinder
  • Selbsthilfeorganisationen und andere Kontaktadressen wie zum Beispiel das umfassende Informationsportal „Intakt“

"Intakt-Informationen und Kontakt für Eltern von Kindern mit Behinderung"

Die Beratung ist ergebnisoffen. Ziel ist es, Ihren Entscheidungsprozess zu begleiten und Sie dabei zu unterstützen, eine Entscheidung zu treffen – unabhängig davon, wie sie ausfällt.



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