Risikofaktoren in der Schwangerschaft

 

Risikofaktoren in der Schwangerschaft

In Deutschland kommen pro Jahr fast 7000 Kinder zur Welt, die durch Alkohol, Drogen und/oder Medikamente in der Schwangerschaft geschädigt wurden.
Der Alkohol-, Drogen- und/oder missbräuchliche Medikamentenkonsum ist die häufigste Ursache für das Entstehen einer Behinderung beim Kind.

Die schädlichen Auswirkungen von Alkohol, Nikotin, Drogen und Medikamenten auf das ungeborene Kind werden leider immer noch häufig unterschätzt.
Entwicklungsschäden oder –verzögerungen sowie Fehl- oder Frühgeburten sind häufig Folge des Drogenkonsums.
Einige Drogen können auch ohne körperliche Entzugserscheinungen weggelassen werden, andere, wie etwa Heroin oder auch Schlaf- und Beruhigungsmittel, werden zum Teil heftige Entzugserscheinungen hervorrufen, bei der Mutter wie beim Ungeborenen.

Generell ist Unterstützung durch Fachkräfte sinnvoll, auch wegen der psychischen Abhängigkeit und dem Umgang mit dem sozialen Umfeld.
Ärztliche Kontrollen sind unerlässlich, um auch das Kind bei Entzugserscheinungen oder Komplikationen medizinisch begleiten zu können.

Drogen- und Suchtberatungsstellen finden Sie in allen Gesundheitsämtern. Des Weiteren gibt es andere Anbieter.
Auch die Beratungsstellen für Schwangerschaftsfragen helfen Ihnen gerne weiter.

Hier finden Sie die Koordinierungsstelle der bayerischen Suchthilfe. Diese bietet eine Suchfunktion für Einrichtungen an.

Näheres zu den Grundsätzen für Sucht-und Drogenproblematik gibt es hier.

 Hier finden Sie das bundesweite Verzeichnis der Suchtberatungsstellen.

 

Generell gilt: alle schädlichen Substanzen, die die Schwangere konsumiert, gibt sie an ihr Kind weiter.
Dies gilt auch für geringe Mengen an schädlichen Substanzen!

Die sogenannten verharmlosten Genussgifte wie Nikotin und Alkohol gehen wegen des gemeinsamen Blutkreislaufs direkt von der Mutter zum Kind über und können von dem Ungeborenen nur viel langsamer abgebaut werden als bei einem Erwachsenen, da sich der embryonale Organismus noch nicht voll entwickelt hat.

 Oft fällt es Schwangeren schwer, den Konsum einzustellen, wenn der Partner, andere Familienmitglieder oder Freunde weiterhin konsumieren. Hier sind natürlich alle Personen die Umgang mit einer schwangeren Frau haben, aufgefordert, den Konsum zu unterlassen, selbst wenn es „nur Zigaretten“ sind.
Da Passivrauchen der Schwangeren auch schädlich für das Ungeborene ist, sollte sich besonders der Partner Gedanken über die Möglichkeit machen, die Schwangerschaft seiner Freundin oder Frau zu nutzen, um auch selbst gesünder und besser zu leben und das Rauchen zu unterlassen.. Er macht es seiner Partnerin sicher leichter, den Konsum von schädlichen Genussgiften oder Drogen aufzugeben. Nicht zuletzt erfüllt er auch eine Vorbildfunktion für sein Kind.

Die BZgA bietet mit der Internetseite drugcom.de viele wissenswerte Informationen zu verschiedenen Drogen, auch zum Thema Drogen in der Schwangerschaf.

Alkohol

Das ungeborene Kind trinkt mit – zumindest in dem Sinne, dass der Alkoholspiegel im Blut des Kindes genauso hoch ist wie der bei der Mutter. Weil der Organismus des Embryos noch nicht voll entwickelt ist, baut er den Alkohol langsamer ab, was zur Folge hat, dass der Embryo der schädigenden Wirkung des Alkohols sogar länger ausgesetzt ist als seine Mutter.

Die schwerste Form der gesundheitlichen Schädigung durch Alkohol ist das fetale Alkohol-Syndrom. Die Kinder mit fetalem Alkohol-Syndrom können Fehlbildungen aufweisen und Verhaltensstörungen entwickeln.
Es gibt auch andere Schädigungen, deren Ausmaß sich oft erst im Laufe der Entwicklung des Kindes zeigt, wie zum Beispiel in intellektuellen und motorischen Defiziten sowie Entwicklungsverzögerungen. Diese Beeinträchtigungen sind in der Regel nicht wieder auszugleichen und bestehen für das betroffene Kind ein Leben lang.

Schwangere sollten keinen Alkohol trinken, da schon geringe Mengen die vorgeburtliche kindliche Entwicklung beeinträchtigen können.

 

Alkohol ist immer ein Risiko für das Baby

Neues Bild

Die informative Internetseite Schwanger-null promille bietet Informationen zum Thema Alkohol und Schwangerschaft.

 

Um einen besseren Überblick über ihren Alkoholkonsum zu bekommen, bietet die BZgA auf drugcom.de einen Selbsttest für Alkohol - Konsumenten an. Das Programm ersetzt für Abhängige zwar keine Therapie, unterstützt Bereitwillige jedoch darin, ihren Konsum besser in den Griff zu bekommen.

Die Broschüre "andere Umstände - neue Verantwortung" der BZgA informiert über schädliche Auswirkungen von Alkohol während der Schwangerschaft und Stillzeit.


 

Online-Beratungsangebot IRIS

Das Beratungs- und Behandlungsprogramm IRIS bietet Schwangeren, die ihren Tabak- und/oder Alkoholkonsum beenden möchten, zwölf Wochen lang Unterstützung an. Das Programm ist anonym und kostenlos.

Zur online- Beratung

 


Nikotin und Passivrauchen

Rauchen vor und nach der Geburt schadet der körperlichen und geistigen Entwicklung des Babys in erheblicher Weise.

Die Auswirkungen von Nikotin auf den embryonalen Organismus werden immer noch unterschätzt.
Die Zusammensetzung einer einzigen Zigarette besteht aus 4800 Chemikalien, wovon rund 250 giftig und krebserregend sind.

Eine rauchende Schwangere gibt also große Mengen an giftigen Chemikalien über die Plazenta an ihr ungeborenes Kind weiter.
Auf das Rauchen in der Schwangerschaft sollte also unbedingt verzichtet werden.

Die Behauptung, der plötzliche Verzicht auf die Zigarette würde das ungeborene Kind mehr belasten als der weiterhin andauernde Konsum von Nikotin, ist nicht wissenschaftlich bestätigt!

Zu den Risiken beim Rauchen während der Schwangerschaft zählen unter anderem:

  • Eileiter- und Bauchhöhlenschwangerschaften
  • Beeinträchtigungen der Funktion der Plazenta
  • Frühgeburten und Fehlgeburten
  • Geringeres Geburtsgewicht des Kindes
  • Wachstumsverzögerungen
  • Eingeschränkte Herzfrequenz
  • Steigendes Risiko für plötzlichen Kindstod
  • Keine oder verkürzte Stillzeit
  • Erhöhte Krankheitsanfälligkeit des Kindes

 Beachten Sie unbedingt, dass nicht nur „Nichtrauchen“ während der Schwangerschaft wichtig ist: auch Passivrauchen der Schwangeren und Rauchen während der Stillzeit schädigt Ihr Kind !

Passivrauchen

Auch passives Rauchen, also der Aufenthalt der Schwangeren oder des Babys neben Rauchern oder in Räumen, in denen geraucht wird oder wurde, ist schädlich für das Ungeborene.
Es sollte nie in der Gegenwart der Schwangeren geraucht werden.

Informationen zum Rauchen während der Stillzeit finden Sie hier:Stillen

Informationen zum Thema Rauchen in der Schwangerschaft bietet die BZgA.
 

Sehr wissenswerte und ausführliche Informationen zum Thema Rauchen in der Schwangerschaft finden Sie auch hier.

Die BZgA bietet ein Rauchfrei Programm an. Das sind Kurse für Raucher, die Ihre Sucht beenden wollen.

 Des Weiteren gibt die BZgA mehrere Broschürenzum Thema Rauchen heraus:

  • Rauchfrei in der Schwangerschaft
  • Rauchfrei nach der Geburt
  • Ihr Kind raucht mit - was Sie über Passivrauchen wissen sollten
  • Passivrauchen - eine Gesundheitsgefahr
  • Gesund aufwachsen in rauchfreier Umgebung
  • Vorsicht Wasserpfeife

 

Beratungsservice 
 

Ein Beratungsservice des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Gesundheit in Zusammenarbeit mit dem Institut für Raucherberatung & Tabakentwöhnung München berät zu allen Fragen rund um das Thema Raucherberatung und Tabakentwöhnung kompetent und professionell.
Tel: 0800/14 18 14 1
Montag bis Samstag von 16-20 Uhr (kostenfrei) Außer an gesetzlichen Feiertagen


Cannabis

Auch auf Cannabis sollte in der Schwangerschaft verzichtet werden, zumal Cannabis meist mit Nikotin konsumiert wird.

Eindeutige Belege für die Auswirkungen des Cannabiskonsums gibt es bislang zwar nicht, jedoch wird davon ausgegangen, dass Cannabiskonsum Sprach-, Gedächtnis- und Lernstörungen des Kindes begünstigen kann.
Cannabis soll die Wahrscheinlichkeit für eine Risikoschwangerschaft erhöhen, da das im Cannabis enthaltene THC die Einnistung des Embryos in der Gebärmutter verhindern kann.

Bei Müttern, die während der Schwangerschaft Cannabis konsumierten, erhöhte sich für das Kind das Risiko für eine Schizophrenie. Cannabis beeinflusst auch die Fruchtbarkeit und kann diese bei regelmäßigem Konsum reduzieren.

Die BzgA bietet mit ihrer umfangreichen und informativen Internetseite drugcom.deInteressierten Cannabis-Konsumenten Hilfe bei ihrem Ausstieg aus der Sucht. Dieser Service ist kostenfrei und anonym.Auch Erfahrungsberichte werden veröffentlicht.


Ecstasy, Kokain und Amphetamine

Durch den Konsum von illegalen Drogen wie Ecstasy, Kokain und Amphetamine steigt das Risiko für Früh- und Fehlgeburten sowie für Fehlbildungen und Entwicklungsstörungen des Kindes. Einige Babys kommen mit hirnorganischen Schäden und Herzfehlern auf die Welt.

Schlaf- und Beruhigungsmittel

Schlaf- und Beruhigungsmittel gehen direkt über die Plazenta in den kindlichen Organismus über. Durch den regelmäßigen Konsum, auch innerhalb der zugelassenen Dosis, können beim Kind schwere Entzugserscheinungen (Neonatales Abstinenzsyndrom, kurz: NAS) mit starkem Zittern, anhaltender Nervosität, Blutdruck- und Temperaturstörungen sowie Durchfall und Erbrechen hervorrufen.
Körperliche und geistige Schäden sind wie bei illegalen Drogen auch nicht auszuschließen.
Hierzu zählen beispielsweise Fehlbildungen des Gesichts, der Finger, Herz- und Gefäßfehlbildungen sowie geistige Entwicklungsverzögerungen.

Weiterführende Informationen

 Bundesweites Verzeichnis der Suchtberatungsstellen

 Die deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. bietet eine pdf -Broschüre mit Informationen und Hilfen für drogenabhängige Schwangere: "Du bist schwanger und nimmst Drogen?" 

 Auf der Internetseite mindzone.de gibt es viele hilfreiche und nützliche Infos zu verschiedenen gängigen Drogen, zum Beispiel

  • ausführliche Erste–Hilfe–Tipps
  • aktuelle Substanzwarnungen vor gefährlichen Drogen, die im Umlauf sind (mit Abbildung)
  • detaillierter Überblick über 37 verschiedene Substanzen
  • Informationen zu mischkonsum und Streckstoffen
  • Informationen über Abhängigkeit und Tipps für Konsumenten, das Risiko zu verringern (besser ist immer, gar nicht zu konsumieren!)
  • Informationen über HiV und wie man sich schützt

     


Hier werden auch kostenlose Broschüren und downloads sowie eine kostenlose und anonyme Beratung angeboten.

Weitere Risikofaktoren

Einige Infektionskrankheiten wie zum Beispiel Röteln, Chlamydieninfektionen und Humanes-Papilloma-Virus (HPV), HIV, Hepatitis B, Herpes genitalis und Toxoplasmose können für das Ungeborene ein Risiko darstellen.

Erkrankungen in der Schwangerschaft, die für das ungeborene Kind eine Gefährdung darstellen, finden Sie hier.

Auch Flugreisen oder Reisen in Länder, in denen geringere Hygienestandards oder geringere medizinischen Versorgungsmöglichkeiten bestehen, können ein Risiko für die Schwangerschaft darstellen.
Wichtig ist immer das Vorliegen einer Auslandsreise-Krankenversicherung sowie die Abklärung und Beratung durch die Ärztin oder den Arzt. Hier werden Sie auch bezüglich notwendiger Impfungen beraten.
Einige Fluggesellschaften verlangen ein ärztliches Attest. Manche nehmen Schwangere, die wenige Wochen vor der Geburt stehen, grundsätzlich nicht mehr mit.
Erkundigen Sie sich am besten vorab über die Bedingungen der Fluggesellschaft.

Vermieden werden sollten Reisen in hochgelegene Regionen wegen der Gefahr eines Sauerstoffmangels und Reisen in tropische und subtropische Gebiete.

 


 

Weiterführende Informationen