Stimmungstiefs nach der Geburt

 

Stimmungstiefs nach der Geburt

Die Geburt und der neue Alltag mit dem Baby bewirken eine meist tiefgreifende Veränderung im Leben der Eltern. Vor allem für die Frau ist die erste Zeit mit Kind oft nicht nur schön und aufregend, sondern auch sehr anstrengend:
Der Körper muss sich erst von der vielleicht sehr anstrengenden Geburt erholen, das Stillen und der Alltag mit Kind müssen sich erst einspielen und in der Nacht ist an ausreichenden und ungestörten Schlaf wahrscheinlich noch nicht zu denken.

Hinzu kommt, dass viele Eltern im Umgang mit dem Baby oft unsicher sind. Gerade wenn es im Familien- oder Bekanntenkreis keine Kinder gibt und somit wenig Einblick in den praktischen Alltag mit Baby möglich war, brauchen Eltern oft eine fachkundige Person, die alle Fragen beantworten kann.

Fragen, die viele Eltern gerade beim ersten Kind beschäftigen, sind beispielsweise:

  • Verstehen wir die Signale unseres Babys richtig?
  • Warum fängt es abends mit dem Schreien an?
  • Trinkt es genug?
  • Ist es warm genug angezogen?
  • Schläft es tagsüber zu viel oder zu wenig?
  • Muss ich mein Kind so oft stillen?
  • Wie oft darf mein Kind baden?

Die Hebamme beantwortet alle Fragen zur Säuglingsernährung, zur Säuglingspflege und zum richtigen Umgang mit dem Baby. Sie beobachtet seine körperliche Entwicklung und weiß um die Bedürfnisse des Säuglings. Die Hebamme bietet auch Beratung bei sozialen Problemen sowie bei der Erkennung von psychischen Erkrankungen im Zusammenhang mit dem Geburtsvorgang an.

Babyblues oder Heultage

Nicht selten erleben Mütter in den ersten Tagen nach der Geburt Gefühle wie

  • gedrückte Stimmung
  • Traurigkeit
  • Hilflosigkeit
  • Ängste
  • Schlechte Laune
  • Überforderung
  • Appetitstörungen
  • Schlaf- und Ruhelosigkeit
  • Erschöpfung

Manche Frauen brechen schnell in Tränen aus, finden keinen Zugang zu ihrem Neugeborenen, sind schnell gereizt oder haben Konzentrationsprobleme.

Man geht davon aus, dass bei etwa jeder zweiten frisch gebackenen Mutter Gefühlswechselbäder wie oben beschrieben auftreten.  Die Gründe für den „Babyblues“ oder die „Heultage“ können vielfältig sein. Einige Experten halten den Babyblues für eine normale Reaktion auf die hormonelle Umstellung nach der Geburt, die Anstrengung des Geburtsvorgangs und das Einpendeln der neuen Situation mit dem Baby. Schlafmangel kann zu Stimmungsschwankungen, Gereiztheit oder dem Gefühl der Überforderung führen. Das Geburtserlebnis muss auch psychisch verarbeitet werden können und Mutter, Vater und Baby gewöhnen sich nun aneinander.

Manche Verhaltensforscher dagegen halten den Babyblues nicht für eine normale Reaktion – sie berichten von Naturvölkern, deren Geburt selbstbestimmt, natürlich und im Kreise von Vertrauenspersonen (anderen Frauen, die bereits geboren haben) stattfindet. Hier werden keine Heultage oder ähnliches beobachtet.

Die sogenannten Heultage oder der Babyblues treten bei vielen Müttern auf, verschwinden aber meist wieder nach etwa zwei Wochen, wenn sich der Alltag und auch die hormonelle Situation der Mutter eingespielt haben.

Das Gefühl, nun die Verantwortung für einen so kleinen, hilflosen und zerbrechlich erscheinenden Menschen zu tragen und das Gefühl, fortan angebunden zu sein, zurückstecken und eigene Bedürfnisse zurückstellen zu müssen, kann ziemlich Angst einflößend sein. Bei vielen Frauen kommen nun auch Konflikte oder nicht verarbeitete Themen aus ihrer eigenen Kindheit hoch. Manchmal kommen erste heftige partnerschaftliche Konflikte: beide Elternteile müssen in ihre neue Rolle hineinwachsen. Dies braucht Zeit, Geduld, Kraft und vor allem regelmäßigen Austausch mit dem Partner.

Fragen Sie Ihre Hebamme

Wenn negative Gefühle oder Gedanken länger andauern, Sie sich überfordert fühlen und gar nicht recht freuen können, sollten Sie sich Ihrer Hebamme anvertrauen! Die Hebamme weiß um Ihren Zustand, die Gedanken und Gefühle, die Sie nun bewegen und wird Sie kompetent begleiten.

Auch die Beratungsstellen für Schwangerschaftsfragen helfen Ihnen bei Stimmungstiefs und Gefühlen wie Unsicherheit und Überforderung weiter.

Muttersein bedeutet vor allem in der ersten Zeit mit dem Neugeborenen viel Arbeit und Anstrengung, oft bis an die Grenzen der Belastbarkeit und darüber hinaus.
Kein Wunder, dass Sie sich nicht nur gut und glücklich fühlen.

Leider wird in unserer Gesellschaft die Mutter- oder Elternrolle idealisiert und es werden nur die positiven Seiten dargestellt. Über den harten Alltag mit kleinen Kindern, oft ohne Unterstützung von anderen Erwachsenen wird meist nicht gerne gesprochen. Dies führt aber dazu, dass Betroffene nicht wissen, dass sie mit ihrem Gefühlschaos nicht alleine sind.

Oft hilft Müttern, denen ihr eigenes Gefühlsleben Grund zur Sorge ist, die Erkenntnis, dass die anstrengende Zeit mit dem Baby auch leichteren Tagen weichen wird und dass Mutter- oder Elternsein immer auch eine ereignisreiche Berg- und Talfahrt sein wird – für alle Eltern. Im Leben mit Kindern ist kein Tag wie der andere. Es gibt immer neue Herausforderungen, aber immer auch eine ganze Menge Dinge, auf die die Eltern stolz sein können und die Grund zur Freude sind. Meistens verschwinden die Heultage ganz von alleine.

Reden Sie mit Ihrem Partner, einer Freundin oder Ihrer eigenen Mutter, wenn Sie möchten. Oft hilft auch ein offenes Gespräch mit einer Frau, die bereits ein Kind geboren hat. Vielleicht hat sie ähnliche Erfahrungen gemacht.

Die Wochenbettdepression / postpartale Depression

Manchmal geht der Babyblues über in eine Depression, die sogenannte Wochenbettdepression (postpartale Depression).

Halten die Symptome des Babyblues oder der Heultage länger als ca. zwei Wochen an oder kommen evtl. Gefühle wie

  • Starke Ängste (z.B. eine schlechte Mutter zu sein)
  • Panikattacken
  • Antriebslosigkeit
  • Tiefe Traurigkeit und
  • Gemischte Gefühle dem Kind gegenüber
  • Evtl. Gefühllosigkeit gegenüber dem Kind

oder psychosomatische Beschwerden wie

  • Kopfschmerz
  • Schwindelgefühle, Herzbeschwerden
  • sowie Zwangs- und evtl. Suizidgedanken

hinzu, sollte unbedingt der Rat der Hebamme oder einer Ärztin / eines Arztes hinzugezogen werden!

Diese werden Ihnen sagen, wenn Sie mit einer Psychologin / einem Psychologen oder einer Psychotherapeutin / einem Psychotherapeuten sprechen sollten.
Bei einer Wochenbettdepression oder postpartalen Depression ist eine therapeutische Einschätzung wichtig!

Auch die Beratungsstellen für Schwangerschaftsfragen bieten psychosoziale Hilfe an.

Auftreten der Wochenbettdepression

Ca. 19% aller schwangeren Frauen und jungen Mütter zeigen eine depressive Symptomatik. Bei nur etwa jeder fünften Frau wird die Depression erkannt und behandelt. An einer schweren Depression leiden ca. 13% der schwangeren Frauen und ca. 7% der Wöchnerinnen.

Frauen mit einer psychiatrischen Vorerkrankung sollten schon in der Schwangerschaft engmaschigen Kontakt zu ihrer Ärztin / ihrem Arzt oder der Hebamme suchen.

Treten belastende Lebensereignisse, mangelnde partnerschaftliche Unterstützung oder starke Konflikte mit dem Partner auf, sollten betroffene Frauen von ihrer Hebamme bis mindestens drei Monate nach der Geburt intensiv begleitet werden, denn intensive Unterstützung durch die Hebamme mindert das Risiko, an einer Wochenbettdepression zu erkranken.

Eine depressive Erkrankung in der Vorgeschichte, belastende Lebensereignisse, wenig soziale Unterstützung sowie starke partnerschaftliche Konflikte begünstigen das Auftreten der Wochenbettdepression.

Behandlung

Die Behandlung einer Wochenbett-Depression hängt vom Schweregrad der Erkrankung ab. In manchen Fällen ist eine psychotherapeutische Hilfe angezeigt, mitunter ist auch die Behandlung mit Medikamenten (etwa Antidepressiva) notwendig.

Mütter mit einer Wochenbettdepression verhalten sich ihrem Kind gegenüber zurückhaltender in der Kommunikation. Sie nehmen weniger Augenkontakt zu ihrem Baby auf und reden weniger mit ihm als nicht depressive Mütter.

Bei Babys von depressiven Müttern treten Schlaf- und Stillprobleme sowie Fütter- und Gedeihstörungen und ein Vermeidungsverhalten mit Abwendung des Blicks und des Körpers häufiger auf als bei Kindern von Müttern, die nicht an einer Depression erkrankt sind. Langfristig werden ein unsicheres Bindungsverhalten und verminderte emotionale, soziale, verbale und kognitive Fähigkeiten festgestellt.

Eine Wochenbettdepression zeigt beträchtliche und langwierige psychosoziale Auswirkungen. Eine fachärztliche Abklärung (evtl. auch Psychotherapie oder medikamentöse Therapie) und ausreichende soziale Unterstützung (durch die Hebamme, Haushaltshilfe, Familie oder Freunde) ist nicht nur für die Mutter, sondern vor allem auch des Kindes wegen absolut wichtig und hilfreich.


 Wochenbettpsychose / postpartale Psychose

Sehr selten, bei etwa ein bis zwei von Tausend Frauen nach der Geburt, tritt eine postportale Psychose auf. Bei dieser psychiatrischen Erkrankung verlieren die Betroffenen den Bezug zur Realität. Das Verhalten der Mutter weicht stark von ihrem früheren, normalen Verhalten ab.

Der Zustand der postpartalen Psychose ist gekennzeichnet durch

  • Wahnvorstellungen (Unfähigkeit, zwischen Realität und Phantasie zu unterscheiden)
  • Gedankenlautwerden, Stimmen hören
  • starke Ängste

evtl. in Kombination mit

  • starker Apathie (Antriebs-, und Teilnahmslosigkeit, mangelnde Erregbarkeit und Unempfindlichkeit gegenüber äußeren Reizen) oder
  • starker Antriebssteigerung und motorischer Unruhe.

Aufgrund der Symptome der Wochenbett-Psychose sollte bei bestehendem Verdacht unbedingt eine Vorstellung bei einer Psychologin / einem Psychologen oder einer Psychiaterin /einem Psychiater erfolgen.
Eine nicht behandelte Psychose kann für Mutter und Kind gefährlich werden, da die Mutter aufgrund ihres psychischen Ausnahmezustandes sich selbst und das Kind gefährden könnte.

Bei Wochenbett-Psychosen sowie Wochenbett-Depressionen kann in einigen Fällen eine Mutter-Kind-Behandlung in einer eigens dafür ausgerichteten Station eines psychiatrischen Krankenhauses angezeigt sein.

Stimmungstiefs bei Vätern

Nicht selten treten auch bei frisch gebackenen Vätern nach der Geburt ihres Kindes Stimmungstiefs auf. Das bisherige Leben ist nun ganz anders, die Paarbeziehung verändert sich und die meisten Männer sehen sich nun in der Rolle des Haupternährers der jungen Familie. Es lastet also auch auf den Schultern der Väter viel Verantwortung. Manche Väter entwickeln Versagensängste und Unsicherheiten. Auch sie müssen vielleicht das Geburtserlebnis und die damit einhergehenden Gefühle erst verarbeiten.

Auch depressive Verstimmungen oder Depressionen können bei frisch gebackenen Vätern auftreten: Sie haben unter Umständen das Gefühl, den neuen Herausforderungen nicht gerecht zu werden, keine richtige Bindung zum Kind entwickeln zu können oder sich von ihrer Partnerin zu entfremden.
Sie können sich von dem Alltag mit Kind überfordert fühlen und auch an Erschöpfungszuständen leiden, verursacht durch die Doppelbelastung durch Arbeits- und Familienleben.

Die meisten Männer denken, sie müssten Gefühle, Sorgen und Ängste mit sich alleine ausmachen und scheuen ein vertrautes Gespräch oder gar professionelle Hilfe. Vielleicht befürchten sie, ein offenes Gespräch würde ihre Partnerin belasten. Oft hilft aber ein Gespräch mit einem Freund oder Bekannten, der in einer ähnlichen Situation ist. Das Wissen, dass es anderen Männern ähnlich geht und die Gewissheit, dass auch wieder einfachere Zeiten kommen werden, hilft oft schon weiter.

Bei Stimmungstiefs über Wochen sollten auch Väter sich professionelle Hilfe holen. Im eigenen Interesse und zum Wohle des Kindes sowie der gesamten Familie ist es wichtig, eine ernst zu nehmende Depression oder andere psychiatrische Erkrankungen behandeln zu lassen.

Auch hier hilft die Hebamme

Auch für den Vater kann die Hebamme eine erste Kontaktperson sein.
Ebenso stehen die Beratungsstellen für Schwangerschaftsfragen den Vätern mit all ihren Fragen, Sorgen oder Problemen offen. Sie bieten kompetente Beratung und psychosoziale Begleitung für beide Elternteile an – auch in Einzelgesprächen.

 

Zusätzliche Informationen

Baby-Timer

Alle wichtigen Termine im Blick: Vom Beginn der Schwangerschaft bis zum dritten Lebensjahr Ihres Kindes. Zum Baby-Timer

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Elternbriefe

Infos zu den Elternbriefen www.elternbriefe.bayern.de