Entbindung

 

Die Entbindung

Die Geburt eines Kindes ist einer der ursprünglichsten und bewegendsten Momente im Leben eines Menschen. Nur selten sehen wir uns so stark mit den essentiellen Dingen der Welt konfrontiert und von diesen berührt wie bei der Geburt des eigenen Kindes.
Ein schönes und verbindendes Geburtserlebnis ist ein unvergleichlich wertvolles Geschenk für alle an der Geburt Beteiligten.

Viele Frauen wünschen sich eine natürliche, möglichst schmerzfreie und „sanfte Geburt“. Sie möchten den Zeitpunkt der Geburt und den Geburtsablauf natürlichen Prozessen überlassen und vertrauen auf ihre eigenen Körperfähigkeiten. Der Begriff der sanften Geburt wurde von dem französischen Frauenarzt Leboyer geprägt. Er bezeichnet eine Geburt, die dem Neugeborenen den Geburtsvorgang und die damit verbundene Umstellung erleichtern soll, indem der Säugling, wenn keine Komplikationen aufgetreten sind, erst mal bei seiner Mutter bleibt. Die Nabelschnur soll nicht sofort durchtrennt und grelles Licht sowie laute Geräusche sollen nach Möglichkeit vermieden werden.

Einige Frauen möchten von vorneherein per Kaiserschnitt entbinden. Gründe hierfür können zum Beispiel eine nicht zu beherrschende Geburtsangst oder der Wunsch nach Kontrolle (Planbarkeit des Geburtstermins) sein.


Grundsätzlich ist bei einer normal verlaufenden Schwangerschaft die natürliche Geburt der beste Weg, ein Kind zu gebären.
Die Natur hat den weiblichen Körper mit allem ausgestattet, was er benötigt, um ein Kind im Mutterleib wachsen und gedeihen zu lassen und es zur Welt zu bringen. Ebenso ist das Neugeborene mit seinen gut ausgeprägten Körperfähigkeiten bestens in der Lage, den Geburtskanal zu passieren und so das Licht der Welt zu erblicken.

Der Geburtstermin

Etwa 70 % aller Kinder kommen in der Zeitspanne von 10 Tagen vor und 10 Tagen nach dem errechneten Geburtstermin zur Welt. Die wenigsten Kinder kommen genau am errechneten Geburtstermin.

Eine Überschreitung des Geburtstermins von einigen Tagen gibt noch keinen Anlass zur Sorge. Erst ab der 42. Schwangerschaftswoche spricht man von einer Übertragung. Wichtig ist jedoch, dass regelmäßige Untersuchungen stattfinden, um die körperliche Gesundheit des Kindes und seine Versorgung im Mutterleib überwachen zu können. In der Regel finden jetzt die gynäkologischen Untersuchungen alle zwei bis drei Tage statt.

Medizinisch angezeigt ist die Einleitung der Geburt ab sechs Tage nach dem errechneten Termin.

Begleitpersonen bei der Geburt

Viele Frauen möchten gerne eine vertraute Person in ihrer Nähe haben, wenn sie ihr Kind zur Welt bringen. Dies kann der Vater des Kindes sein, eine Freundin, die eigene Mutter oder eine Doula, also eine ausgebildete Geburtsbegleiterin

Da eine Geburt sehr intim ist, der Frau viele Kräfte abverlangt und sie auch psychisch stark beanspruchen kann, sollte die Wahl der Begleitperson wohl überlegt sein. Idealerweise sollte die Begleitperson helfen und unterstützen können. Ist jemand selber sehr unsicher oder ängstlich, wird dies für die Gebärende nicht hilfreich sein.

Besprechen Sie mit der Person Ihrer Wahl die Aufgabe die diese übernehmen sollte und legen Sie im Vorfeld fest, für welche Bereiche die Person zuständig sein sollte und was sie nicht leisten kann oder möchte.

Meist kann die Begleitperson während der Wehen hilfreich unterstützen. Sie kann der Gebärenden den Rücken massieren, sie mit Getränken versorgen und sie evtl. in verschiedenen Gebärpositionen halten. In Geburtsvorbereitungskursen werden verschiedene Möglichkeiten aufgezeigt, wie Frauen bei der Entbindung unterstützt werden können. Gerade wenn Komplikationen bei der Geburt auftreten, ist eine Begleitperson sehr hilfreich. Sie kann sich auch um das Neugeborene kümmern, wenn die Mutter noch zu schwach dazu ist, etwa nach einer sehr anstrengenden Geburt oder einem Kaiserschnitt.

Väter bei der Geburt

Für den Vater des Kindes ist die Geburt ein aufregendes und schönes, zugleich aber vielleicht auch erschreckendes und ängstigendes Erlebnis.
Viele werdende Eltern möchten die Geburt ihres Kindes gemeinsam erleben, um das Baby von Anfang an als Elternpaar zu empfangen und in der Welt willkommen zu heißen.

Es ist ein sehr bewegendes und prägendes Ereignis für die ganze Familie, wenn der Vater während der Geburt und in den ersten Stunden danach anwesend ist.
Jedoch sollte auf die Bedürfnisse beider Elternteile geachtet werden.
Manch eine Frau stellt vielleicht erst während der Geburt fest, dass sie sich von ihrem Partner eher gestört fühlt und ihn lieber nicht bei der Geburt dabei haben möchte. Die Gründe hierfür können unterschiedlich sein.

Auch der Mann kann während des Geburtsablaufs merken, dass er sich unsicher, ängstlich oder sogar unangenehm unter Druck gesetzt fühlt, weil er den Geburtsverlauf nicht beeinflussen kann und seine Partnerin in Angst, Panik, Resignation oder Schmerz erlebt, ohne ihr wirklich helfen zu können.
Dann sollte es dem Mann gestattet sein, das Geburtsgeschehen zu verlassen.

Wichtig ist, dass Sie und Ihr Partner versuchen, sich mit der auf Sie zukommenden Situation vertraut zu machen und dass Sie sich gegenseitig zugestehen, sich auch während der Geburt anders zu entscheiden.
Auch die Hebamme sollte vorab über die Begleitperson informiert werden.

Um bei der Geburt des Kindes dabei sein zu können und auch danach Zeit für Mutter und Kind zu haben, sollten werdende Väter frühzeitig mit ihrem Arbeitgeber sprechen, damit sie entsprechend ihren Vorstellungen Urlaub nehmen können. Oft besteht auch ein Anspruch auf Arbeitsbefreiung am Tag der Geburt. Auch dies muss mit dem Arbeitgeber geklärt werden. Die meisten Arbeitgeber haben Verständnis für die Situation des werdenden Vaters und versuchen, ihm die Begleitung seiner Partnerin bei der Geburt und eine freie Zeit danach zu ermöglichen.

Wer gleich zu Beginn Elternzeit nehmen möchte, muss dies spätestens sieben Wochen vor dem voraussichtlichen Geburtstermin schriftlich vom Arbeitgeber verlangen.

Es geht los - die Geburt

Erste Anzeichen für die Geburt

Viele Frauen spüren schon einige Wochen oder Tage vor dem Geburtstermin hin und wieder das Zusammenziehen der Gebärmutter (Kontraktionen). Einige Frauen empfinden diese Vorwehen als Rückenschmerzen oder Ziehen in der Gebärmutter.

Die spontane Geburt

Anzeichen für die unmittelbar bevorstehende Geburt sind Wehen, die in etwa sieben bis zehn minütigen Abständen wiederkehren und zwischen 30 und 60 Sekunden andauern. Spätestens jetzt sollten Sie Ihre Hebamme anrufen bzw. das Krankenhaus aufsuchen.

Eröffnungsphase

Mit der Eröffnungsphase beginnt die Geburt im medizinischen Sinne.
Über die Vorwehen wird die Öffnung des Muttermundes bewirkt, der in der Schwangerschaft durch einen Schleimpfropf verschlossen war.
Wie lange, wie heftig oder wie schmerzhaft die Wehen sein werden, ist individuell verschieden.
Manche Frauen haben sehr lange und andauernde Vorwehen, bis schließlich die stärkeren Geburtswehen einsetzen und das Kind aus dem Körper schieben. Andere berichten über eine kurze Vorwehenphase.

Oft beginnt eine Geburt auch mit einem Blasensprung. Meist verliert die Frau dabei nur wenig Fruchtwasser, weil der Kopf des Kindes schon ins Becken gerutscht ist und somit nur wenig Fruchtwasser entrinnen kann. Geht viel Fruchtwasser in einem Schwall verloren, sollten Sie sich möglichst schnell in eine liegende Position begeben und ins Geburtshaus oder Krankenhaus fahren lassen. Jede Geburt verläuft anders und unterliegt einer Vielzahl unterschiedlicher innerlicher wie äußerlicher Einflüsse.

Es ist immer sinnvoll, erst die Hebamme anzurufen und ihr die Situation zu schildern. Sie wird Ihnen sagen, was zu tun ist.

Was Ihnen in der Eröffnungsphase gut tut, werden Sie selbst herausfinden. Manche Frauen möchten ins warme Wasser, um sich besser entspannen zu können. Andere konzentrieren sich auf das Atmen und wenden die im Geburtsvorbereitungskurs gelernten Atemübungen an. Wieder andere lassen sich von Ihrer Begleitperson den Rücken massieren oder gehen auf und ab.
Wichtig ist, dass Sie die Wehen gut aushalten können und sich nicht verkrampfen.
Ihre Hebamme wird Ihnen Vorschläge und Tipps geben und Sie während der Eröffnungsphase untersuchen, um die Gesundheit des Kindes sicherzustellen und die Öffnung des Muttermundes kontrollieren zu können, denn dies gibt Aufschluss über den Geburtsvorgang.

Übergangsphase

Kurz bevor der Muttermund vollständig geöffnet ist, werden die Wehen heftiger und drängender. Die erste Geburtsphase ist abgeschlossen und der Kopf des Kindes rutscht in die richtige Position. Dieser Vorgang wird auch Übergangsphase genannt.

Austreibungsphase

In der Austreibungsphase wird das Kind herausgeschoben. Diese Phase erleben Frauen sehr unterschiedlich. Vielleicht erfordert das Herausschieben oder -pressen des Kindes noch mal all ihre Kräfte. Es kann aber auch sehr schnell gehen.

Die meisten Kinder kommen mit dem Kopf zuerst auf die Welt, mit einer weiteren Wehe wird der Körper des Kindes nachgeschoben.
Wahrscheinlich wird die Hebamme Ihnen Ihr Neugeborenes erstmal auf den Bauch legen und das Kind abnabeln, wenn die Nabelschnur nicht mehr pulsiert.
Viele Neugeborene suchen schon ziemlich bald nach der Geburt nach der Brust der Mutter.

Das frühe Anlegen des Kindes dient nicht nur Ihrem Kind, sondern auch Ihrer Gesundheit: Durch die Hormonausschüttung wird die weitere Milchbildung und auch die Ablösung der Plazenta angeregt.

Mutter-Kind-Bindung

Für Ihr neugeborenes Baby ist die erste Zeit nach der Geburt sehr bedeutsam: der Kontakt zwischen Mutter und Kind oder Vater und Kind wird hergestellt, dies vermittelt dem Kind ein Gefühl von Vertrauen und Sicherheit und ist der erste Schritt zur Mutter / Eltern-Kind-Bindung.
Im Verlauf der nächsten halben Stunde nach der Geburt werden Sie noch einmal kleinere Wehen verspüren: der Körper stößt die Plazenta ab, die nun nicht mehr gebraucht wird. Die Hebamme wird kontrollieren, ob die Plazenta vollständig ausgestoßen wurde.

Hier finden Sie weitere Informationen zur Mutter-Kind-Bindung und zum Stillen.

Ärztliche Untersuchung des Neugeborenen

Die medizinische Früherkennungsuntersuchung / Vorsorgeuntersuchung U1 wird direkt nach der Geburt vorgenommen. Beim Apgar-Test werden Atmung, Puls, Muskelspannung, Hautfarbe und die Reaktion des Neugeborenen auf Außenreize untersucht. Es erfolgt die erste von insgesamt drei Gaben der Vitamin K-Prophylaxe. Vitamin K dient der Blutgerinnung und kann von Säuglingen noch nicht selbst gebildet werden.

Die U2, die zweite Früherkennungsuntersuchung, findet bis zum 10. Lebenstag des Neugeborenen meist im Geburtshaus oder Krankenhaus statt.
Nach einer ambulanten Geburt oder Hausgeburt muss sie in einer kinderärztlichen Praxis durchgeführt werden. Hier sollte das Neugeborene gleich nach der Geburt angemeldet werden.

Bei der U2 werden die Reflexe des Babys getestet, ein Stoffwechseltest durchgeführt und Organe, Knochen und Gelenke untersucht. Des Weiteren informiert der Kinderarzt / die Kinderärztin über die Gabe von Vitamin K, Vitamin D, Fluorid und über das Impfen.
Im Rahmen der U2 wird auch das erweiterte Neugeborenenscreening angeboten: Mithilfe dieses Tests, bei dem Blut entnommen wird, werden angeborene Stoffwechselerkrankungen und hormonelle Störungen erkannt. Der Test muss am zweiten oder dritten Lebenstag des Babys vorgenommen werden, er erfolgt also noch im Krankenhaus oder Geburtshaus im Rahmen der U2.
Bei der U2 haben die Eltern Gelegenheit, Fragen zu stellen und sich zu informieren, um so möglichen Unsicherheiten oder Ängsten im Umgang mit dem Kind vorzubeugen.

Bei der U3, der dritten Früherkennungsuntersuchung, die in der vierten bis fünften Lebenswoche des Kindes stattfindet, werden Größe, Gewicht sowie seine Bewegungs- und Reaktionsfähigkeit geprüft. Weiterhin werden sein Gehör, seine Fähigkeit, Laute zu bilden, seine Augenreaktionen und die Hüftgelenke überprüft. Nun erfolgt die letzte Gabe der Vitamin K-Prophylaxe.

Informationen zum Neugeborenen-Screening und zum Neugeborenen-Hörscreening in Bayern bietet das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.

Je früher Krankheiten oder auffällige medizinische Werte erkannt werden, desto besser sind die Heilungschancen.
Deshalb ist es sehr wichtig, das Kind regelmäßig und termingerecht der Kinderärztin / dem Kinderarzt zu den Früherkennungsuntersuchungen vorzustellen.

Überblick über die U-Untersuchungen

  • U1    unmittelbar nach der Geburt
  • U2    3. – 10. Lebenstag
  • U3    4. – 5. Lebenswoche
  • U4    3. – 4. Lebensmonat
  • U5    6. – 7. Lebensmonat
  • U6    10. – 12. Lebensmonat
  • U7   21. – 24. Lebensmonat (etwa mit 2 Jahren)
  • U7a  34. – 36. Lebensmonat(etwa mit 3 Jahren)
  • U8    46. – 48. Lebensmonat (etwa mit 4 Jahren)
  • U9    60. – 64. Lebensmonat (etwa mit 5 Jahren)

Die Ergebnisse der Früherkennungsuntersuchungen werden von der Ärztin / dem Arzt in das gelbe Untersuchungsheft eingetragen. Dieses Heft erhalten Sie schon nach der Entbindung im Krankenhaus oder beim Kinderarzt.

Ausführliche Informationen und alles Wissenswerte rund um das gesunde Aufwachsen des Kindes sowie zu den Früherkennungsuntersuchungen (U-Untersuchungen) finden Sie im Internet auf der Seite kindergesundheit-info.de.

Elternbriefe

Mit den Elternbriefen erhalten Eltern zeitnah übersichtliche Informationen zum jeweiligen Entwicklungsstand des Kindes von der Geburt bis zum 18. Lebensjahr. In der Print-Version werden die Elternbriefe z.T. von den örtlichen Jugendämtern versandt oder ausgegeben. Die Elternbriefe können zudem  barrierefrei gelesen, heruntergeladen oder als just-in-time Newsletter kostenfrei abonniert werden.