Stillen

 

Vorteile der Muttermilch

Muttermilch ist die beste Art der Ernährung für gesunde Säuglinge besonders in den ersten Lebensmonaten. Ein Baby, das gestillt wird, erhält mit der Muttermilch eine Nahrung, die perfekt auf die Bedürfnisse des Kindes abgestimmt ist – und das in jeder Entwicklungsphase.

Die Beratungsstellen für Schwangerschaftsfragen sowie Hebammen und Stillberaterinnen verschiedener Träger helfen bei allen Fragen zum Thema Stillen. Von der Stilltechnik, über die Dauer der Stillzeit, bis hin zu Stillproblemen wie Milchstaus, zu wenig oder zu viel Milch, oder Brustentzündungen.

Die Zusammensetzung der Muttermilch ist einzigartig und kommt so in keiner künstlichen, also industriell gefertigten Ersatzmilch vor. Muttermilch enthält mehr als 200 verschiedene Bestandteile, unter anderem notwendige Nährstoffe, Vitamine und Mineralstoffe, die der Säugling für eine gesunde Entwicklung braucht. Ebenso sind in der Muttermilch weiße Blutkörperchen und Antikörper enthalten, die nicht künstlich hergestellt werden können. Die Muttermilch dient aufgrund der Zusammensetzung verschiedener Enzyme, Hormone, des Immunglobulins A und Wachstumsfaktoren als bester Schutz vor Allergien. Muttermilch ist hygienisch einwandfrei und sofort fütterungsbereit, da sie von Natur aus immer richtig temperiert ist. Sie ist optimal verträglich und in der Regel ausreichend verfügbar. Es gibt keine bessere Ernährung für Babys in den ersten Lebensmonaten!

Deshalb empfehlen die Weltgesundheitsorganisation (WHO), UNICEF, die Nationale Stillkommission, die deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und die Ernährungskommission der deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin das ausschließliche Stillen des gesunden Säuglings in den ersten sechs Monaten.

Aus gesundheitlichen und entwicklungspsychologischen Gründen sollten Mütter möglichst lange stillen, auch neben den Breimahlzeiten nach den ersten sechs Monaten. Dieses ergänzende Stillen oder „Teilstillen“ ist ebenfalls wertvoll für das Kind. Darüber hinaus können und sollten Mütter Ihr Kind so lange teilstillen, wie es für sie und das Kind sinnvoll und angenehm ist. Mütter aus Familien, in denen Allergien, Asthma oder Neurodermitis auftreten, sollten nach Möglichkeit sechs Monate lang ausschließlich stillen.

Gesundheitliche Vorteile gestillter Kinder

Gestillte Kinder neigen im Vergleich zu nicht gestillten Kindern weniger zu:

  • Herzinfarkten im Erwachsenenalter
  • Infektionen des Magen-Darm-Trakts
  • Infektionen der Luftwege und des Mittelohrs
  • Infektionen der Harnwege und Hirnhäute
  • Diabetes mellitus Typ 1
  • Allergien und Neurodermitis
  • Morbus Crohn
  • bösartigen Lymphknotenschwellungen
  • Übergewicht
  • Kieferfehlstellungen

Gesundheitliche Vorteile stillender Mütter

  • die Rückbildung der Gebärmutter wird beschleunigt und so einer Senkung oder einer Inkontinenz vorgebeugt
  • die Gewichtsabnahme nach der Geburt wird unterstützt
  • das Brustkrebsrisiko und das Risiko an Osteoporose zu erkranken wird gemindert
  • es werden weniger Medikamente benötigt, z.B. Schmerzmittel, Antibiotika und Eisenpräparate
  • Erkrankungen wie multiple Sklerose, Eierstockkrebs und Diabetes treten seltener auf

Bei stillenden Frauen unterstützt die Ausschüttung der Hormone Prolaktin und Oxytocin den Rückbildungsprozess und bewirkt zudem, dass sie im Alltag gelassener bleiben. Dies ist besonders in der ersten Zeit mit dem Neugeborenen für Mutter und Kind von Vorteil.

Viele Mütter genießen das Stillen als „kleinen Auszeiten“ im Alltag, um zur Ruhe zu kommen und dadurch auch selbst Kraft zu schöpfen.

Zudem ist das Stillen ein sehr harmonisches und verbindendes Erlebnis für Mutter und Kind und unterstützt und fördert eine sichere Mutter-Kind-Bindung. Mütter, die stillen, entwickeln ein sehr feines Gespür für die körperlichen und seelischen Bedürfnisse und das Befinden des Kindes und sensibilisieren so ihre natürlichen (Mutter-) Instinkte. Das Kind entwickelt durch den häufigen Körperkontakt großes Vertrauen in seine Mutter und fühlt sich sicher und geborgen.

Mutter – Kind – Bindung

Die Mutter-Kind-Bindung ist eine der elementarsten Bedürfnisse im Leben eines Menschen und trägt dazu bei, dass das Kind Vertrauen in seine Bezugsperson entwickelt. Darauf basierend entwickeln sich ein gesundes Selbstvertrauen und ein Vertrauen in die Welt. Diese emotionale Bindung sichert das Überleben und die Entwicklung des Säuglings.

Eine sichere Bindung ist ein Schutzfaktor für die gesamte kindliche Entwicklung.Sie eröffnet Möglichkeiten zur Bewältigung von Belastungen und die Fähigkeit, sich Hilfe holen zu können. Aus einer sicheren Bindung entwickeln sich Kreativität, Flexibilität und Ausdauer sowie bessere Gedächtnisleistung, Empathie und soziales Verhalten.

Eine unsichere Bindung hingegen gilt als Risikofaktor bei Belastungen. Kinder, die unsicher gebunden sind, suchen eher alleine Bewältigungsmöglichkeiten, ziehen sich aus der sozialen Gemeinschaft zurück, haben weniger Beziehungen und weisen weniger Flexibilität und Kreativität auf. Sie zeigen mehr aggressive Verhaltensweisen, eine schlechtere Gedächtnisleistung und schlechteres Lernverhalten als sicher gebundene Kinder.

Die Person mit der größten Feinfühligkeit in der Interaktion mit dem Säugling wird von diesem als Hauptbindungsperson gewählt werden. Dies muss also nicht zwangsläufig die Mutter sein. Stillen alleine ist kein Garant für eine sichere Bindung. Jedoch wird durch eine gute Stillbeziehung und den bereits vorhandenen Bezug zur Mutter durch die Schwangerschaft der natürliche biologische und entwicklungspsychologisch naheliegende Weg zu einer sicheren Mutter-Kind-Bindung unterstützt.

Stillbeziehung / Stillsituation

Schon bei der Geburt wird durch eine veränderte Hormonsituation im Körper der Mutter die Milchbildung angeregt und durch zeitnahes Anlegen des Kindes an die Brust unterstützt. Die Milchbildung richtet sich in der Regel immer nach dem Bedarf des Kindes, das heißt, sie wird angeregt durch vermehrtes und häufiges Saugen und geht zurück, wenn das Kind weniger oft an die Brust angelegt wird oder weniger trinkt.  Besonders wichtig beim Stillen ist innere Ruhe, eine ungestörte Umgebung und eine bequeme Stillhaltung, in der Mutter und Kind sich wohlfühlen. Eine bequeme Stillhaltung dient auch der Mutter zur körperlichen und seelischen Entspannung. In einigen Geschäften oder größeren Restaurants werden Stillecken angeboten. Hier kann die Mutter ihr Kind relativ ungestört und fernab des Trubels stillen. Auch Apotheken bieten Stillecken an.

Zum Stillen eignet sich ein bequemer Sessel ebenso wie ein Bett oder ein Sofa. Hilfreich sind Stillkissen oder Tragetücher, die auch unterwegs benutzt werden können. Die Stillpositionen können bei Bedarf auch gewechselt werden.
Stillende Mütter empfinden das Stillen und die damit verbundene Nähe zum Kind als sehr angenehm und berichten auch nach der Stillbeziehung von einem guten Kontakt und einer vertrauensvollen Bindung.

Stillen nach Bedarf

Das Stillen nach Bedarf fördert die Milchbildung und ist ein Garant für ausreichenden Körperkontakt zwischen Mutter und Kind.Dem natürlichen Hunger- bzw. Durstgefühl des Babys nachzugehen ist sehr viel sinnvoller, als den Säugling nach einem Zeitplan zu stillen, an den er sich anpassen muss. Babys, auf deren physische und psychische Bedürfnisse nicht oder nur zeitweilig eingegangen wird, fordern diese umso deutlicher und öfter selber ein.

Für die Mutter-Kind-Bindung ist es absolut wichtig, dass die Mutter auf die Signale des Babys adäquat reagiert und präsent ist. Zudem weiß jeder gesunde Säugling instinktiv, was er braucht: Babys trinken in der Regel genau soviel, wie sie brauchen. Manchen Müttern kommt die Trinkmenge oder die Häufigkeit der Trinkmahlzeiten als zu viel oder zu wenig vor. Oft sind es jedoch nur einige Tage, an denen sich das Trinkverhalten des Säuglings anders zeigt als gewohnt. Meist wird das Trinkverhalten durch Entwicklungssprünge oder Krankheiten beeinflusst. Manche Mütter empfinden das häufige Anlegen als zuviel und fühlen sich in ihrer Freiheit beeinträchtigt. In der Regel gibt sich dies aber nach wenigen Tagen wieder und das Baby hat sicher von der Nähe zu seiner Mutter profitiert, denn manchmal brauchen Babys vermehrt die Zuwendung und den Körperkontakt der Mutter, um dann sicher und geborgen ihre weiteren Entwicklungsschritte machen zu können.