Glücklose Schwangerschaft

 

Ein Kind im Mutterleib verlieren

Trotz unseres medizinischen Fortschritts kommt es immer wieder vor, dass Kinder schon im Mutterleib oder auch unmittelbar nach der Geburt sterben. Für die Eltern, die sich auf ein gemeinsames Leben mit dem Kind eingestellt haben, ist der Tod oder der bevorstehende Tod ihres Kindes ein Schock. Es können viele Fragen auftauchen: Warum darf unser Kind nicht leben? Hätte der Tod unseres Babys verhindert werden können? Warum trifft es gerade uns? Wie sollen wir mit dem Tod umgehen? Wie verabschieden wir unser Kind? Wer versteht uns in dieser Situation, in unseren Entscheidungen?

Wenn pränatale Schwangerschaftsbefunde ergeben, dass ein Kind mit einer schweren Behinderung oder mit Fehlbildungen zur Welt kommen wird, stehen Eltern vor einer sehr schwierigen Entscheidungssituation. Diese Entscheidung verlangt den werdenden Eltern sehr viel Kraft ab.

Die psychosoziale Beratung der Schwangerschaftsberatungsstellen bietet den Eltern Hilfe und Unterstützung in allen Fragen zum Thema Fehlgeburt, Totgeburt oder im Zusammenhang mit einer Entscheidung, die das Leben des ungeborenen Kindes betrifft. Auch bei Ängsten in späteren Schwangerschaften oder beim Finden einer geeigneten Selbsthilfegruppe stehen die Beratungsstellen für Schwangerschaftsfragen allen Ratsuchenden hilfreich zur Seite.

Fehlgeburt / Frühabort

Eine Fehlgeburt (medizinischer Fachbegriff: Abort) ist eine vorzeitige Beendigung der Schwangerschaft durch Ausstoßung und / oder Absterben eines unter 500 Gramm wiegenden Embryos / Fötus ohne Lebenszeichen. Etwa 30% aller Frauen sind in ihrem Leben einmal von einer Fehlgeburt betroffen. Als Fehlgeburten werden jedoch meist nur etwa 15-20% erkannt, denn die meisten Aborte treten so früh in der Schwangerschaft auf, dass die Frau diese als solche gar nicht erkennt.

Fehlgeburten in der Frühschwangerschaft (Frühabort), also in den ersten ca. 12 Wochen, treten am häufigsten auf. Es wird vermutet, dass etwa die Hälfte aller frühen Schwangerschaften unbemerkt enden. Meist wird der Embryo begleitet von heftigen Blutungen ausgestoßen. Es kann auch vorkommen, dass eine Ausschabung vorgenommen werden muss. Hierfür hat die Schwangere aber meist ein wenig Zeit, um sich mit dem Gedanken daran vertraut zu machen und Abschied vom Ungeborenen zu nehmen.

Wenn eine festgestellte Schwangerschaft frühzeitig mit einer Fehlgeburt endet, kann dies bei der Frau sehr große Traurigkeit auslösen – vor allem dann, wenn dieses Ereignis mehrmals passiert.

Manche Schwangere machen sich Vorwürfe und fühlen sich schuldig. Jedoch hat die Schwangere in den allermeisten Fällen keinen Einfluss auf die fetale Entwicklung im ganz frühen Stadium der Schwangerschaft.

Späte Fehlgeburt (Spätabort) / Totgeburt

Im zweiten Schwangerschaftsdrittel, also zwischen der 12. und der 24. Woche, kommen Fehlgeburten seltener vor. Gründe für den vorzeitigen Tod im Mutterleib können sein:

  • Störungen der Plazenta
  • Infektionen
  • Nabelschnurkomplikationen
  • Fehlbildungen des Kindes oder
  • (nicht entdeckter) Schwangerschaftszucker / Gestationsdiabetes

Der Fötus ist nun bereits zu groß für eine Ausschabung. Er muss also geboren werden. Die Geburt kann auf natürlichem Wege einsetzen oder eingeleitet werden. Eine Ausschabung nach der Geburt ist dennoch meist erforderlich.

Tod nach der Geburt

Ein Baby kann auch während oder nach der Geburt sterben, beispielsweise durch

  • Eine Frühgeburt, bei der das Baby noch zu unreif ist
  • Unreife der Lungen
  • Hirnblutungen
  • Schwere Infektionen
  • Schwere Fehlbildungen
  • Mangelversorgung im Mutterleib

Standesamtliche Registrierung

Stirbt das Kind während der Schwangerschaft oder während der Geburt und wiegt mindestens 500 Gramm, spricht man von einem „Totgeborenen“. Hier erfolgt immer eine Eintragung ins Geburtenregister und nach dem bayerischen Bestattungsgesetz besteht eine Bestattungspflicht.

Wenn das Kind bei einer Fehlgeburt noch kein Gewicht von 500 Gramm erreicht hat, haben die Eltern die Möglichkeit, die Geburt beim Standesamt dokumentieren zu lassen und ihrem Kind damit offiziell eine Existenz zu geben. Die Eltern können hier entscheiden, ob ihr Kind bestattet werden soll. Anderenfalls wird es auf einem Grabfeld zur Ruhe gebettet.

Abschied nehmen

So schwer und tragisch es ist: Den Eltern hilft es, Abschied von ihrem Kind zu nehmen. Ob das Baby schon früh in der Schwangerschaft verstorben ist, kurz vor der Geburt oder wenige Stunden oder Tage danach, ob der Tod plötzlich und unerwartet eingetreten ist oder ob sich die Eltern vorbereiten konnten auf dieses schicksalhafte Ereignis: Das Baby sollte verabschiedet werden, und mit ihm die Vorstellungen und Wünsche für das gemeinsame Leben. Viele Eltern möchten ihr totgeborenes Baby sehen, es in den Arm nehmen und es für die Bestattung zurechtmachen. Sie möchten noch Kontakt aufnehmen und ihr Baby bewusst aus dieser Welt gehen lassen.

Es kann aber auch sein, dass den Eltern alles zuviel und unmöglich erscheint – sie wollen die belastende und unerträgliche Situation einfach hinter sich bringen. Das ist verständlich, und oft zeigt sich diese Reaktion besonders am Anfang als eine Art Schockzustand. Trotzdem sollten die Eltern sich mit dem Abschied ihres Kindes auseinandersetzen. Ein nicht bewusst gelebter Abschied belastet die Eltern oft noch im Nachhinein und führt dazu, dass das schreckliche Erlebnis umso schwerer angenommen und verarbeitet werden kann.

Liebevolle und professionelle Unterstützung

Es ist schwer, über ein solches Erlebnis zu sprechen. Vor allem dann, wenn außenstehende Personen diesen Schicksalsschlag nicht ganz nachfühlen können. Die Beziehung, die sich schon in oder durch die Schwangerschaft zwischen Eltern oder besonders der Mutter und dem Kind entwickelt hat, ist für andere Personen manchmal nicht leicht nachvollziehbar.

Oft belasten Ängste eine spätere Schwangerschaft und sind meist schwer zu ertragen. Hier kommt die Unterstützung durch Angehörige und Freunde meist an ihre Grenzen: Professionelle Unterstützung durch die Hebamme, durch Schwangerschaftsberatungsstellen oder gegebenenfalls auch durch psychologische oder psychotherapeutische Hilfe ist oft unverzichtbar.

Auch Selbsthilfegruppen bieten eine wertvolle Stütze, weil hier andere Eltern, die ähnliches erlebt haben, den Kummer und die Sorgen gut verstehen und berichten können, was ihnen geholfen hat oder wie sie mit der Situation umgegangen sind.